Aktuelles

2017-12-12

Frage 5: Viel Arbeit für was? Lohnt sich der Aufwand zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen?

Fast 1.500 Praxisstunden nachholen und viel deutsches Fachvokabular büffeln – so lautet das ernüchternde vorläufige Ergebnis des Anerkennungsverfahrens für die russische Gesundheits- und Krankenpflegerin Lidiia Skurat (36). „Mein theoretisches Diplom wurde zwar komplett anerkannt, aber praktisch musste ich viel nachholen.“

So wie Lidiia Skurat geht es vielen Fachkräften mit ausländischen Qualifikationen in Deutschland. Ein Anerkennungsverfahren bedeutet vor allem einen hohen persönlichen Aufwand und Kosten. Allein die Vorlage aller Unterlagen für das Anerkennungsverfahren kann mehrere Monate in Anspruch nehmen. Häufig müssen Anerkennungssuchende ihre Dokumente erst bei Behörden im Heimatland anfordern, diese dann in Deutschland übersetzen und oft auch noch beglaubigen lassen. Die Prüfung bei der zuständigen Stelle kann dann erneut drei bis vier Monate in Anspruch nehmen. Wenn dann wesentliche Unterschiede festgestellt werden und Nachqualifizierungen anstehen, rückt die Anerkennung – wie bei Frau Skurat – zunächst in weite Ferne.

Lohnt sich dieser große Aufwand? Viele Einzelfälle wie der von Liidia Skurat, aber auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen ganz klar: auf jeden Fall! Der im Sommer 2017 veröffentlichte unabhängige Evaluationsbericht zur Wirkung der Berufsanerkennung belegt:

  • 72 Prozent der Befragten schätzen ihre persönliche berufliche Position besser ein als zum Zeitpunkt der Antragstellung.
  • Über 85 Prozent sehen in der Anerkennung ihrer ausländischen Berufsqualifikation den Grund für ihren beruflichen Ein- und Aufstieg.
  • Fast 70 Prozent der Befragten waren in einem der eigenen Qualifikation angemessenen Job.
  • Last but not least: Das Gehalt war zum Zeitpunkt der Befragung rund 1.000 Euro höher als zum Zeitpunkt des Anerkennungsantrags – eine Steigerung von rund 40 Prozent.

Lidiia Skurat jedenfalls nahm die Herausforderung an und steckte viel Zeit und Energie in die Anerkennung ihrer in Russland erworbenen Qualifikationen und die Anpassungsmaßnahmen in Deutschland. Mittlerweile hat sie eine Festanstellung in einem Krankenhaus und blickt positiv in die Zukunft: „Das ist ein neuer Lebensabschnitt für mich. Mit der Anerkennung kann ich in Deutschland als normaler Mensch leben, arbeiten und Geld verdienen.“ 

Die Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ kann viel zum Gelingen der Anerkennung beitragen und den zeitlichen und persönlichen Aufwand für die Anerkennungsinteressierten durch eine zielgerichtete und individuelle Beratung reduzieren.

Weitere Informationen:

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2017-12-12

Frage 4: Können die was? Welche Qualifikationen bringen Zuwandernde überhaupt mit?

Natürlich können die was. Zuwandernde haben so einiges zu bieten. Im Vergleich zur hiesigen Qualifikationsstruktur fällt jedoch auf, dass in Deutschland das duale Ausbildungssystem einen hohen Stellenwert einnimmt, während  andere Länder häufig auf Hochschulbildung und/oder „training on-the-job“ setzen. So kommt es, dass die meisten der im Jahr 2014 Zugewanderten (zwischen 25 und 64 Jahren) einen Hochschulabschluss (37 Prozent) oder auch eine abgeschlossene Berufsausbildung (26 Prozent) mitbrachten, aber etwa ein Drittel (34 Prozent) ohne einen (formalen) Berufsabschluss nach Deutschland kam.[1] Mit der Fluchtmigration seit 2015 hat sich die Qualifikationsstruktur unter den Zuwandernden, entsprechend der Bildungssysteme der Herkunftsländer, weiter verschoben: Unter den Geflüchteten haben 14 Prozent ein abgeschlossenes Studium oder eine Promotion und etwa 50 Prozent einen mittleren Schulabschluss, ein (Fach-)Abitur oder eine abgeschlossene Lehre. Der Anteil von Personen über 18 Jahre ohne (Schul-)Abschluss liegt hier bei 36 Prozent.[2] Und was bedeutet das nun?

Wer einen ausländischen Berufsabschluss mitbringt, kann diesen auf Gleichwertigkeit mit einem deutschen Referenzberuf prüfen lassen. Davon profitiert momentan besonders das von Fachkräftemangel bedrohte Gesundheitswesen: Im letzten Jahr wurden die meisten Anerkennungsanträge in der Zuständigkeit des Bundes für die Referenzberufe Gesundheits- und Krankenpflegerin bzw. -pfleger, Ärztin und Arzt sowie Physiotherapeutin und -therapeut gestellt.[3] Aber auch Zuwandernde, die keinen (formalen) Abschluss vorweisen können, haben natürlich einiges gelernt. Sie verfügen oft über umfassende Berufserfahrung und entsprechendes Fachwissen. Um diese Qualifikationen besser sicht- und damit auch verwertbar zu machen, wird derzeit an Verfahren zur Feststellung von informell und non-formal erworbenen Kompetenzen gearbeitet.

Und noch was: Besonders die Gruppe der Geflüchteten zeichnet sich durch einen hohen Anteil junger Menschen unter 25 Jahren aus. Durch eine Eingliederung in das deutsche Schul- und Ausbildungssystem können diese wiederum direkt deutsche Berufsabschlüsse erwerben.

Landesweite Angebote:

Beratungsstellen zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse und zur Weiterqualifizierung in Schleswig-Holstein finden Sie hier

Qualifizierungsmaßnahmen des IQ Netzwerks Schleswig-Holstein finden Sie hier

Bundesweite IQ Angebote:

http://www.netzwerk-iq.de/foerderprogramm-iq/landesnetzwerke/karte.html


[1] Brücker, H. u.a. (2017): Migration und Integration. In: Möller, J.; Walwei, U. (Hg.): Arbeitsmarkt kompakt. Analysen, Daten, Fakten. (IAB-Bibliothek 363). Nürnberg, S. 130-141

[2] Brücker, H. u.a. (Hg.) (2017): IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten 2016: Studiendesign, Feldergebnisse sowie Analysen zu schulischer wie beruflicher Qualifikation, Sprachkenntnissen sowie kognitiven Potenzialen. (DIW Berlin: Politikberatung kompakt 123). Berlin

[3] Bundesinstitut für Berufsbildung (2017): Auswertung der amtlichen Statistik zum Anerkennungsgesetz des Bundes für 2016. www.anerkennung-in-deutschland.de/media/2017-Auswertung-Amtliche-Statistik-2016.pdf

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2017-12-11

Frage 3: Interkulturelle Öffnung?

Interkulturelle Öffnung strebt den Abbau von Zugangsbarrieren an. Dabei geht es darum, die Teilhabechancen aller Menschen in unserer Gesellschaft zu erhöhen. Indem sie die unterschiedlichen Lebensformen, Interessen und Bedürfnisse aller berücksichtigen, können sich Organisationen, Institutionen und Unternehmen interkulturell öffnen. Vielfalt soll anerkannt und wertgeschätzt werden. Interkulturelle Öffnung ist ein längerfristiger Prozess der Qualitätsentwicklung und eine Querschnittsaufgabe, die in allen Arbeitsfeldern und auf allen Hierarchieebenen umgesetzt werden sollte.

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2017-12-11

Frage 2: Wie passt das zusammen? Arbeitsmarktintegration und Ehrenamt - ein ungleiches Paar?

Die zentrale Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit für die Integration von Geflüchteten ist unbestritten. Dabei stellt ihre Aufgabe die Ergänzung staatlichen Handelns dar. Keine Einigkeit besteht über den eigentlichen Aufgabenbereich der Freiwilligen, dies gilt insbesondere für die Unter­stützung bei der Integration in den Arbeitsmarkt. So liegt diese für einige Akteure im alleinigen Zuständigkeitsbereich von Politik und Verwaltung und ist nicht über das ehren­amt­liche Engagement abzudecken.

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2017-12-07

Frage 1: Auf dem richtigen Weg? Erreichen wir mit Social Media und digitalen Angeboten Migrantinnen und Migranten?

Die Macht der Sozialen Medien ist groß. Man kann mit ihnen Wahlen beeinflussen, Revolutionen anzetteln, aber auch neue Sprachen lernen. All das scheint möglich. Weltweit nutzen fast 80 Prozent der erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzer soziale Netzwerke.[1]

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2017-12-07

IQ-Kampagne #neunmalklugMigration - neun Fragen - neun Antworten

Im Dezember 2000 hat die UNO den 18. Dezember als den Internationalen Tag der Migranten ausgerufen. Dieser Tag findet zu Ehren der weltweit über 240 Millionen Menschen statt, die derzeit ihre Heimat aus den unterschiedlichsten Gründen verlassen haben, um sich anderswo eine Existenz aufzubauen.

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2017-12-05

FRIST BIS ENDE 2017: Arbeitsförderung für Afghaninnen und Afghanen - Weisungen der BA

Die zum Jahresende 2017 auslaufende Weisungen des BMAS v. 4.8.2016 und der BA-Regionaldirektion Nord vom 12.7.2017 öffneten verschiedene Maßnahmen und Förderungen für afghanische Asylsuchende.

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2017-11-27

IT-Projektassistentin oder IT-Projektassistent in Volllzeit gesucht

Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e. V. sucht für seine Teilprojekte im IQ Netzwerk zur Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund in Schleswig-Holstein zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine IT-Projektassistenz (w/m) (100%).

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2017-08-07

"LandärztInnen Nord" in der SHZ: Vom Kriegs- zum Landarzt

Die SHZ berichtet über den ersten Kurs des IQ Projekts "LandärztInnen Nord". Wie dort internationale Ärztinnen und Ärzte auf das Praktizieren im ländlichen Schleswig-Holstein vorbereitet werden, können Sie hier nachlesen. 

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2017-07-17

Erster Kurs "LandärztInnen Nord": 24.07.-04.08.2017 in Bad Segeberg

In den nächsten Jahren werden zunehmend Ärztinnen und Ärzte im ländlichen Raum benötigt. Hier setzt das Projekt „LandärztInnen Nord“ an und qualifiziert ausländische Fachkräfte. Das Projekt richtet sich an Ärztinnen und Ärzte mit ausländischem Berufsabschluss, die auf die ärztliche Tätigkeit in Schleswig-Holstein, insbesondere im ländlichen Raum, vorbereitet werden. Weitere Informationen finden Sie auf den Projektseiten.

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2017-06-22

SHZ zur IQ Qualifizierung der imland Pflegeschule

Am 21.6.2017 veröffentlichte die Landeszeitung des shz Verlags einen Artikel über Herrn Melles Alem, den zweiten Absolventen der IQ Anpassungsqualifizierung "Gesundheits- und Krankenpflege". Hier können Sie den Artikel nachlesen.

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2017-06-21

Anerkennungsbericht 2017

Anerkennung lohnt sich, so das Fazit des Anerkennungsberichts 2017, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) vorgelegt wurde. 

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2017-05-10

Dokumentation der Tagung "Berufliche Qualifikationen nutzen - auch ohne Nachweis"

Rund 120 Expertinnen und Experten zu Arbeitsmarkt und Integration kamen am 3.5. im Kieler Musiculum zusammen. Zur Diskussion stand, wie ausländische Berufsqualifikationen auch ohne vollständige Unterlagen anerkannt werden können. Deutlich wurde, dass es auch in Schleswig-Holstein bereits viele gute Ansätze gibt. Es müssen aber auch neue Verfahren entwickelt werden!

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2017-05-02

Praxistag Vielfalt! Gewusst wie!

Am 27. April 2017 lud das Forum Interkulturelle Öffnung Schleswig-Holstein Arbeitsmarktakteurinnen und Arbeitsmarktakteure und interessiertes Fachpublikum nach Neumünster ein.

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2017-04-24

IQ Beratungsstelle im Interview: Der NDR berichtet über geflüchtete Frauen auf dem Arbeitsmarkt

Was erleben geflüchtete Frauen, die versuchen, auf dem hiesigen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen? Das IQ Netzwerk berät u.a. Flüchtlinge, die ihren Abschluss anerkennen lassen möchten. Edibe Oğuz berichtet davon im Interview mit dem NDR. Den vollständigen Artikel können Sie hier nachlesen.

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2017-04-03

Stellenausschreibung: Projektassistenz in Vollzeit als Elternzeitvertretung

Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e. V. sucht zum 1. Juni 2017 eine Projektassistenz in Vollzeit als Elternzeitvertretung für das IQ Netzwerk Schleswig-Holstein.

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2017-03-21

Pressemitteilung des FRSH zum Internationalen Tag gegen Rassismus: Aufstehen für die Demokratie und gegen Rassismus

Weltweit ist zu beobachten, wie sich Rassismus und Rechtspopulismus selbst in Staaten mit gefestigten demokratischen Strukturen ausbreiten.

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2017-03-06

Jetzt anmelden: Online-Qualifizierung für ausländische Akademikerinnen und Akademiker

Sie haben im Ausland studiert und möchten nun auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen? Sie sind berufstätig und möchten Ihre Sprach und berufliche Kenntnisse weiter verbessern? Melden Sie sich für die "Brückenmaßnahme für Akademikerinnen und Akademiker" an! Von Ende März bis Ende November werden Teilnehmende in der Woche online und an den Samstagen im Präsenzunterricht in EDV, professioneller Sprachanwendung auf C1-Niveau und beruflicher Kommunikation unterrichtet. Die Teilnahme ist über das IQ Netzwerk Schleswig-Holstein möglich und für die Teilnehmenden kostenlos. Starttermin ist der 18.3.2017.

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2017-02-07

Pressemitteilung: Neu im IQ Netzwerk - Qualifizierungsprogramm für ausländische Ärztinnen und Ärzte

Ab März 2017 begrüßt die vom IQ Netzwerk Schleswig-Holstein koordinierte Maßnahme „LandärztInnen Nord“ ihre ersten Teilnehmenden. Für das Projekt konnte IQ das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein als Träger gewinnen: Das Institut für Allgemeinmedizin in Lübeck wird Ärztinnen und Ärzten mit ausländischem Berufsabschluss Fachwissen, Mentoring und Motivation vermitteln. Ziel ist es, für die Arbeit im ländlichen Raum zu begeistern.  

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2017-01-18

Dokumentation "Anerkennung ausländischer Abschlüsse im Gesundheits- und Pflegebereich"

Am 21. November lud das IQ Netzwerk Schleswig-Holstein zur Fachtagung im Kieler Legienhof ein, um die Rahmenbedingungen der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und Verbesserungsmöglichkeiten beim Anerkennungsverfahren zu diskutieren.

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