Fachkräfte im Gesundheitsbereich: Die Zukunft und die Gegenwart

Bild:iStock/GeorgeRudy

Am 9. Dezember lud das IQ Netzwerk Schleswig-Holstein alle zuständigen Akteurinnen und Akteure aus den Bereichen Pflege und Gesundheit sowie Betroffene und Interessierte ein, über die Chancen und Herausforderungen für und von Migrantinnen und Migranten in Gesundheitsberufen zu sprechen.

Der Fachtag im Kieler Landeshaus begann mit einem Grußwort des Landesbeauftragten für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen Stefan Schmidt. Er betonte den besonderen Wert der Arbeit, die in Gesundheitsberufen geleistet wird. Eine gute Gesundheitsversorgung für alle sei keine Kleinigkeit aber ein grundlegendes Menschenrecht – auch für diejenigen, die in Schleswig-Holstein Schutz suchen. Gerade vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft stünden Herausforderungen bevor, die nur in Gemeinschaft mit Zugewanderten und Eingesessenen gelöst werden können. (mehr)

Die Angebote des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ im Gesundheitsbereich

Barbara Schmidt vom Bundeministerium für Arbeit und Soziales gab anschließend einen Überblick über die Aufgaben, Ziele und Angebote des IQ Programms in dem Bereich. Ungefähr jede fünfte berufliche Anfrage in IQ kommt aus einem Gesundheitsberuf. Fast 3 600 Eintritte in Qualifizierungsmaßnahmen im Gesundheitsbereich von IQ hat es allein im ersten Jahr der neuen Förderphase gegeben. Verschiedene Good Practices sind hier erfolgreich getestet worden und stehen zur Nachahmung bereit. Das IQ Förderprogramm hat bereits wertvolle Erfahrungen bei der Förderung der Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen und Migranten in den Gesundheitsberufen gesammelt, auf die in der aktuellen 5. Förderperiode aufgebaut wird. (mehr)

Chancen und Herausforderungen für ausländische Fachkräfte im Gesundheitswesen

Wie sich die Entwicklungen, Erfolge und Bedarfe bundes- und landesweit darstellen, konnte Dr. Carola Burkert, vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, anschließend verdeutlichen. Gerade in den Pflegeberufen bestünde teilweise bereits seit längerem ein große Fachkräftenachfrage. Hier besteht zeitnah bundesweit ein Mangel an qualifiziertem Personal. Einige Arbeitgebende (16 Prozent) hätten deshalb bereits mit aktiven Anwerbungen im Ausland begonnen. Auch in Schleswig-Holstein hat der Anteil der ausländischen Beschäftigten im Gesundheitswesen allein im letzten Jahr um rund 15 Prozent zugenommen. Diese würden allerdings oft auf niedrigem Qualifikations- und Helferniveau beschäftigt. Bei der Rekrutierung gelten ethische Standards, die eine aktive Anwerbung aus Ländern mit medizinischer Unterversorgung verhindern sollen.  Die teilweise unübersichtliche Lage auf dem Arbeitsmarkt hinsichtlich Anerkennungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten ist immer noch ein Hindernis auf dem Weg in unbesetzte Stellen. Aber auch bei der betrieblichen Integration und interkulturellen Öffnung hat die Branche noch Entwicklungspotential. (mehr)

Migration und Alter: Zwischen kultursensibler Pflege und Fachkräftemangel

Farzaneh Vagdy-Voß, Koordinatorin des Q Netzwerks Schleswig-Holstein, plädierte in Ihrem Beitrag zum Thema Migration und Alter dafür, die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten unabhägig von Herkunft oder Nationalität im Blick zu behalten. Strategien zur Fachkräfteeinwanderung müssten jenseits aller Effizienz auch ausreichend Flexibilität sichern, um jeder und jedem – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – die nötige Sensibilität im Umgang mit den persönlichen Bedürfnissen zuzusichern. Die größte Herausforderung sei die Sicherstellung einer guten Pflege für alle. Eine Verengung der Diskussion auf den Begriff „kultursensibel“ sei hier nicht zielführend, denn jede Person habe individuelle Bedürfnisse. Die Gruppe der Migrantinnen und Migranten unterscheide sich hier nicht von allen anderen betroffenen Personenkreisen. (mehr)

Abschließend diskutierten Semra Başoğlu von der Diakonie Altholstein, Dr. Thomas Gurr vom Landesamt für soziale Dienste in Schleswig-Holstein, Dr. Ivo Markus Heer aus dem AK Migration und Gesundheit Schleswig-Holstein und Sven Hinrichsen von der Regionaldirektion Nord der BA mit Moderator Manuel Rakers. Dr. Ivo Markus Heer plädierte für pragmatische Lösungen: Im Dialog zwischen allen Beteiligten müssten Probleme angesprochen und direkt adressiert werden, dabei müssten die politisch verantwortlichen Stellen voranschreiten und einen konstruktiven Austausch leiten. Dr. Thomas Gurr und Sven Hinrichsen betonten in diesem Zusammenhang den Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte, in dem sich das Land auch mit anderen Regionen befinde. Gesundheitsfachkräfte seien sehr mobil – weltweit und auch nach der Einreise noch in Deutschland.
Semra Başoğlu berichtete aus der erfolgreichen Erfahrung mit interkulturellen Konzepten in dem Mehrgenerationenprojekt „Gustav-Schatz-Hof“ in Kiel. Sie machte deutlich, dass ein ernsthafter Öffnungsprozess für Diversität im Pflegebereich ein ebenso notwendiger wie langer und aufwändiger Prozess ist. Alle Beteiligten von der Leitungsebene bis zu den Klientinnen und Klienten würden dadurch herausgefordert, aber auch profitieren.

Mit diesen Informationen und Diskussionsanstößen gingen die Teilnehmenden anschließend in den Austausch. Von der Ministeriumsebene über Jobcenter bis hin zu Lehrkräften von Qualifizierungsangeboten suchten die Teilnehmenden Kontakte und Gespräche. Klar war, in den Gesundheitsberufen stellen sich kurz und mittelfristig dringende Fragen für den Erhalt eines angemessenen Versorgungsstandards. Ein wichtiger Baustein ist dabei das Gelingen einer nachhaltigen Fachkräfteintegration.

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